Wie die Rebknörpli einen französischen Panzer kaperten

OT-Serie »Weisch noch« (4)

Offenburger Tageblatt vom 15.08.2019

 

In unserer Serie »Weisch noch?« berichten wir über denkwürdige oder kuriose Begebenheiten im Rebland und den Orten rund um Offenburg. In der vierten Folge erinnern wir daran, wie die Fessenbacher Rebknörpli einmal einen französischen Panzer besetzten.

 

Es war im Jahr 1981, also vor 38 Jahren, als noch französische Panzer zu Offenburg gehörten, wie in den 50er-Jahren das Bähnle, das von Offenburg nach Altenheim und bis Kehl fuhr. Die »älteren Semester« aus Offenburg erinnern sich sicherlich noch an die Zeiten, als die französischen Panzer von der Ihlenfeld-Kaserne die Hauptstraße hinunter bis zum Stadtwald fuhren, wo die Schießübungen stattfanden. Erst im Jahr 1992 zogen die Franzosen ihre Truppen ab. Und wo Kommando und Drill das Sagen hatten, wurde aus dem Exerzierplatz dann der Platz der Verfassungsfreunde, ein Naherholungsgebiet mit kulturellen Einrichtungen. Doch zurück zum Jahr 1981.

 

Just also am Schmutzigen Donnerstag, dem 26. Februar 1981, fuhr ein französischer Panzer die Fessenbacher Weinbergstraße hinunter, als sich die Rebknörpli vor dem Gasthaus »Linde« versammelten. Gerade erst fand um 6 Uhr in der Frühe die Zeremonie mit der Fasnachtsdaifi statt, und traditionell ist dann danach die Dorfbegehung. So versammelten sich die Rebknörpli vor der »Linde« zum Rathaussturm, wie sich Uli Litterst, Ehrenzunftmeister der Rebknörpli, erinnert.

 

Was tun, fragten sich da die Rebknörpli? »Solle m’r d’r Panzer stürme oder abwarte, bis er runtergfahre isch oder sogar mit ihm vors Rothus fahre?«, überlegten die Rebknörpli und mit ihnen Günter Basler.

 

»Gesagt, getan, und plötzlich stand der Günter in voller fasnachtlicher Montur auf dem Panzer, angefeuert von den Rebknörpli«, erzählt Uli Litterst weiter. Die französischen Soldaten staunten einfach nur und dachten wohl, dass sich ein paar »Offenburger Revoluzzer« in das Winzernest verirrt haben könnten. Vielleicht sind den Franzosen aber auch schon unterwegs so ein paar Hemdeglunker begegnet und sie konnten die Situation als nicht gefährlich einschätzen. Auf jeden Fall unternahmen die Franzosen nichts.

 

Ob es allerdings eine Verbindung oder einen Funkspruch zur Offenburger Kaserne oder gar zum Pariser Elyséepalast gegeben hat, konnte nie ausfindig gemacht werden. Doch die französischen Soldaten bewiesen Humor und hatten auch Spaß an den Aktionen der Fessenbacher und der Besetzung des Panzers.

 

Die Fessenbacher Rebknörpli zogen aber dann unverrichteter Dinge weiter vors Fessenbacher Rathaus, wo sie wahrscheinlich weniger kriegerisch empfangen wurden. Doch dieser denkwürdige Schmutzige Donnerstag 1981 ist in den Annalen der Rebknörpli fest verankert, fand doch tatsächlich an diesem Tag nicht nur eine Besetzung des Rathauses statt, sondern auch die Stürmung und Besetzung eines französischen Panzers.

 

Heute ist diese Panzer-Episode eigentlich gar nicht mehr denkbar, wo wir nun seit 74 Jahren in Europa friedliche Zeiten erlebt haben und auch die französische Besatzungszeit längst der Vergangenheit angehört. Als im Jahr 1992 die Garnison aufgelöst wurde, konnten 300 Hektar Fläche inklusive Gebäude umgestaltet werden.

 

Offenburg gehörte zu den ersten Kommunen im Land, die nach dem Abzug der Alliierten die Kasernen erworben hatten. Die Stadt stand damals vor ihrer größten städtebaulichen Herausforderung, wie zu lesen war. Und in Fessenbach konnte im Jahr 1992 die 750-Jahr-Feier begangen werden – und die ersten Schritte zur Völkerverständigung mit den französischen Nachbarn aus Zellwiller nahmen ihren bekannten Lauf.

 

Autorin: Ursula Haß

Foto: Fritz Hillenbrand

»Vive La Fasnacht« ruft Günter Basler, und mit ihm freuen sich unter anderem Anneliese und Klaus Leitermann.

Foto: Fritz Hillenbrand

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